Tuschezeichnung: "Ahrenshoop-Fischerhaus" von 1951

Ernst Werner Schulze (1927 - 2005) / Halle

  • 50er Jahre

Artikel-Nr.: 9616

Tuschezeichnung auf kräftigem, chamoistonigen Papier, links oben mit Bleistift handsigniert, zudem betitelt, datiert und bezeichnet “Mit freundlichem Gruß!”, Maße ca. 42 x 37 cm, geringe Alters-, Griff- und Knitterspuren, am rechten Rand kleiner bräunlicher Fleck. Rückseitig von Fremder hand beschriftet “E.W.Schulze-Zeichnung / EVP 125,-” (was darauf deutet, dass das Blatt mal im Kunsthandel der DDR angeboten wurde.

Diese Arbeit hat eine besondere kulturhistorische Dimension. E.W.Schulze studierte von 1950 bis 56 an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Somit gehörte er zu der Gruppe von Studenten, die im Sommer 1951 mit ihrem Lehrer Ulrich Knispel über mehrere Wochen nach Ahrenshoop fuhren und in der dortigen “Bunten Stube” ihre vor Ort entstandenen Arbeiten zeigten. Daraus wurde einer “der größten Kunstskandale in der DDR. Dieser ging im Frühsommer 1951 als „Fall Ahrenshoop“ in die Kunstgeschichte ein und führte zu einem einzigartigen Exodus von namhaften Künstlerinnen und Künstlern aus Halle (Saale) in den Westen Deutschlands. Im Zentrum stand der Maler Ulrich Knispel (1911-1978), damals Leiter der Grundlehre an der Burg Giebichenstein, der mit 27 Studentinnen und Studenten in der ehemaligen Künstlerkolonie an der Ostsee einen mehrwöchigen Arbeitsaufenthalt realisierte. Eine Kabinettausstellung studentischer Arbeiten, gezeigt in der „Bunten Stube“, wurde zum Auslöser eines vom SED-Kulturpolitiker Wilhelm Girnus (1906-1985) befeuerten Skandals, in dessen Folge fast eine ganze Malergeneration ihre Heimatstadt Halle (Saale) verließ.” (zitiert vom Intro der Ausstellung Halle am Meer. Ulrich Knispel: Der „Fall Ahrenshoop“ 1951, die im Kunstkaten Ahrenshoop vom 21.10.2023 bis 7.4.2024 gezeigt wurde: https://kulturstudien-dresden.de/ausstellungen/halle-am-meer-ulrich-knispel-der-fall-ahrenshoop-1951-2/).

Wikipedia (04/26) schreibt hierzu: “Die in der Ahrenshooper Bunten Stube ausgestellten Studienblätter der Schüler entsprachen nicht dem gewünschten sozialistischen Realismus, sondern zeigten Ansätze der „… amerikanischen Fäulnis-Ideologie … dekadenten Dreck des Westens …“, wie in dem diffamierenden Leserbrief aus Ahrenshoop „Lebensfeindliche Kunstdiktatur in ‚Giebichenstein‘“ von Wilhelm Girnus, Redakteur der Zeitung Neues Deutschland, zu lesen war. Knispel wurde am Ende der „Knispel-Affäre“ fristlos aus dem Lehramt entlassen, seine eigenen Arbeiten wurden beschlagnahmt. Er entzog sich einer möglichen Verhaftung durch die Flucht in den Westen.”

Obiges mit “1951” datierte Blatt könnte somit in der besagten Ausstellung gehangen haben, zumindest ist es in diesem Sommer in Ahrenshoop entstanden!

Preis: 360,00 €

Zurück